2019.28

BADISCHE GESELLSCHAFT FÜR MÜNZKUNDE, KARLSRUHE

Für die Badische Gesellschaft für Münzkunde, Karlsruhe, entstanden aus meiner Hand mehrere Kunstmedaillen: 1986.23, 1994.09, 2009.05+06 und 2019.28

Zum 100. Jubiläum der BGM sollte der ehemaligen Baden-Durlachischen Münzstätte in Durlach gedacht werden. Diese Prägestätte löste die älteste Prägestätte von Pforzheim ab und produzierte bis zur Verlagerung nach Mannheim im Jahre 1806. 1826 folgte die heute noch tätige Münze Karlsruhe.

Die Recherche zu Gebäude und griffiger Geschichte der Münze Durlach blieb erfolglos; einzig die dort geprägten Badischen Münzen künden von ihr. Zahlreiche ihrer Kleinmünzen entstanden auf dem Walzwerk, ersichtlich an der gebogenen Form dieser Stücke, was zur Inspiration führe, mittels der Jubiläumsmedaille 2019 diese Prägetechnik zu visualisieren.
Es entstand mittels doppelter Prägetechnik vorliegendes außergewöhnliches Medaillen-Objekt, länglich, mit seinem massiven Schaft und der löffelartigen Ausdehnung.
Erster Schritt zur Münzprägung war und ist das Gießen eines Barrens, des Zaines. Dieser muss anschließend bis auf die gewünschte, dünnere Blechstärke gewalzt werden. Aus diesem Blech werden die Ronden ausgestanzt, um nachfolgend zwischen beiden Prägestempeln entweder als Stoßprägung geschlagen oder im Taschenwerk gewalzt zu werden. Manche Manufakturen stanzen die geprägten Stücke erst nach erfolgter Prägung aus dem Blech heraus.
Zur aktuellen Medaillenprägung wurden dicke Kupferstangen angewalzt. Die vordere, nun gedehnte Fläche bot den Raum zur nachfolgenden Beprägung, die trotz höheren Reliefs und hohen Prägedrucks mit einem Schlag gelingen musste, um Verdoppelungen am Rand zu vermeiden.
Jedes Exemplar dehnte sich dadurch etwas anders, manche bildeten seitliche Risse, bedingt durch die Härte des Metalls. Die Stücke sind mittels Punzeneinschlägen einzeln numeriert bis zur Höchstmenge von 60.

Av: es zeigt sich ein schematisiertes Walzwerk mit seiner Kurbel und dem Zahnrad, das beide Walzen gegeneinander antreibt. Ein unten zugeführter, blanker Schrötling gelangt zwischen die mit dem Münzmotiv gravierten Trommeln, unten spiegelbildlich „1919“ und die Abformung davon zu „2019“. Fertige Münzen verlassen den Prozess nach oben hin. Stellvertretend für die reichhaltige Durlacher Produktion kann man hier ein Stück mit dem „Durlacher Engelchen“ über dem barocken Querschild sehen.

Rv: hier zeigt sich die früheste Prägemethode, die Hammerprägung. Der Hammer traf auf den zylindrischen Oberstempel, der spiegelbildlich und vertieft das Motiv eines mittelalterlichen „Lilienpfennigs“ aus Baden trägt. Rechts davon sichtbar eine davon erfolgte Abprägung, deren „B“, für Baden, gleichzeitig als Beginn der vierzeiligen Zweckinschrift fungiert.

Victor Huster, 03/05/2022.

On the occasion of the 100th anniversary of the Badische Gesellschaft für Münzkunde, the former mint in Baden-Durlach should be commemorated. This mint replaced the oldest mint of Pforzheim and produced until 1806, after which it was relocated to Mannheim. In 1826 it was followed by the Karlsruhe mint, which is still active today.
Many of its small coins were produced on the rolling mill, evident from the curved shape of these pieces, which led to the inspiration to visualise this minting technique with the 2019 anniversary medal.
The present exceptional medal object was created using a double minting technique: elongated, with a solid shaft and spoonlike expansion.
The obverse shows a schematised rolling mill with its crank and the gear wheel that drives both rollers against each other.
The reverse shows the earliest minting method, the hammer minting.